Selbstführung

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Auch Trainer brauchen eine Sauerstoffmaske

Trainer und Führungskräfte geben täglich Energie, übernehmen Verantwortung und sind für andere da. Doch wer kümmert sich um sie selbst? Ausgehend von der Sauerstoffmasken-Metapher erzähle ich, weshalb Selbstführung nicht erst beginnt, wenn die eigenen Kräfte nachlassen. Meine Reflexion über Achtsamkeit, innere Antreiber und die Verantwortung, auch für sich selbst zu sorgen.

Über Selbstführung und die Verantwortung, auch für sich selbst zu sorgen.

Ich scrolle durch den Social-Media-Dschungel und stosse immer wieder auf Meldungen über Vincent Kompany. Es ist von einem Zusammenbruch des Trainers von Bayern München die Rede. Ich hüte mich davor, eine Ferndiagnose zu stellen. Ich bin nicht nahe genug dran und weiss nicht, was wirklich passiert ist und welche Ursachen dahinterstecken. Trotzdem hat mich diese Flut von Meldungen beschäftigt.

Heute sitze ich im Auto und höre im Radio weitere Stimmen von Trainerkollegen. Sie sprechen darüber, wie viel Kraft dieser Beruf braucht und wie selten man wirklich einmal durchatmen kann.

Dabei kommt mir eine Metapher in den Sinn, die ich in meiner Arbeit mit Trainern und Führungskräften immer wieder verwende: die Sauerstoffmaske.

Ich zeige dabei ein Bild eines Vaters, der mit seinem kleinen Sohn im Flugzeug sitzt. Aufgrund einer Notsituation fällt der Kabinendruck ab. Sauerstoffmasken fallen von der Decke. Der Vater hat sich bereits seine eigene Maske aufgesetzt und ist nun dabei, seinem Kind zu helfen.

Wir alle kennen diese Anweisung aus dem Flugzeug. Zuerst setzen wir unsere eigene Sauerstoffmaske auf, bevor wir anderen Menschen helfen.

Wer Energie gibt, braucht Energie

Eigentlich logisch. Trotzdem vergessen wir dieses Prinzip in unserem Alltag immer wieder.

Wenn ich mit Trainern zusammenarbeite, beeindruckt mich häufig ihre enorme Motivation, ihre Spieler und das Team weiterzubringen. Sie wollen entwickeln, unterstützen, fördern und natürlich erfolgreich sein.

Gute Trainer sind für mich auch Energiegeber. Sie vermitteln Sicherheit, schenken Vertrauen, zeigen Verständnis, treffen Entscheidungen und versuchen, auch in schwierigen Momenten für ihre Spieler da zu sein.

«Wer ständig Energie gibt, muss irgendwann auch wieder Energie tanken können.»

Das alles braucht unglaublich viel Energie.

Dazu kommen der Ergebnisdruck, die Erwartungen des Vereins, die öffentliche Wahrnehmung und nicht zuletzt der Druck, den sich ambitionierte Menschen häufig selbst machen.

Wer ständig Energie gibt, muss irgendwann auch wieder Energie tanken können. Doch genau das ist im hektischen Alltag des Spitzensports nicht immer einfach.

Auch ich brauche eine Sauerstoffmaske

Ich kann diese Trainer gut verstehen. Meine Arbeit als Sportpsychologe ist in gewisser Weise vergleichbar. Ich habe eine grosse Motivation, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten und auch unter Druck Höchstleistungen abzurufen.

Ich bin gerne da für Sportlerinnen und Sportler, Trainer und Führungskräfte. Es gibt mir Energie und Sinn, Sparringpartner für Menschen zu sein, die etwas bewegen wollen.

Und gleichzeitig musste ich lernen, oder besser gesagt, ich bin immer noch dabei zu lernen, dass auch ich mir regelmässig meine eigene Sauerstoffmaske aufsetzen muss.

Denn genauso wie der Vater seinem Kind ohne ausreichend Sauerstoff nicht helfen kann, kann auch ich ohne Energie, Distanz und einen guten Zugang zu mir selbst langfristig kein guter Sparringpartner sein.

Selbstführung beginnt bei uns selbst

Erfolgreiche Selbstführung beginnt für mich deshalb nicht erst dann, wenn der Druck zu gross wird. Sie beginnt für mich viel früher.

In meiner Arbeit und für mich persönlich habe ich eine innere Landkarte entwickelt, die mir hilft, mich immer wieder mit einigen wichtigen Fragen auseinanderzusetzen.

Wie gut nehme ich mich eigentlich selbst wahr? Habe ich die Fähigkeit, einen Moment innezuhalten und mich zu fragen: Wie geht es mir gerade? Was beschäftigt mich? Was brauche ich? Was würde mir jetzt guttun?

Verfüge ich über Strategien, mit denen ich mich selbst regulieren kann? Vielleicht durch bewusstes Atmen, hilfreiche Selbstgespräche, Meditation, Bewegung oder ganz einfach durch einen Spaziergang in der Natur?

Wie gut kenne ich mich selbst? Weiss ich, welche inneren Seiten in schwierigen Situationen besonders laut werden? Kenne ich meine Muster, meine Antreiber und meine Bedürfnisse?

Und wie gehe ich eigentlich mit mir selbst um, wenn etwas nicht funktioniert? Begegne ich mir mit Verständnis und Wertschätzung oder werde ich zu meinem härtesten Kritiker?

«Denn wie wir mit uns selbst umgehen, beeinflusst auch, wie wir anderen Menschen begegnen.»

Gerade dieser letzte Punkt ist für mich besonders wichtig. Denn wie wir mit uns selbst umgehen, beeinflusst auch, wie wir anderen Menschen begegnen.

Schliesslich frage ich mich auch, welche Menschen ich um mich herum habe. Gibt es Menschen, bei denen ich einfach sein darf? Bei denen ich nicht funktionieren, keine Lösungen präsentieren und keine Verantwortung übernehmen muss?

Menschen, die mir guttun.

Natürlich weiss ich, dass all diese Fragen im hektischen Alltag eines Trainers nicht einfach zu beantworten sind. Und ich weiss auch, dass Selbstführung allein nicht ausreicht. Vereine und Organisationen tragen ebenso Verantwortung dafür, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen gesund bleiben können.

Die Sauerstoffmaske ist für mich deshalb mehr als eine schöne Metapher. Sie ist eine einfache Erinnerung daran, dass wir auch uns selbst Aufmerksamkeit, Verständnis und Fürsorge schenken dürfen.

Ich glaube, wir sollten Trainer und Führungskräfte nicht nur fragen, wie es ihrer Mannschaft oder ihrem Unternehmen geht. Vielleicht sollten wir sie hin und wieder auch fragen, wie es ihnen selbst geht.

Eines weiss ich ganz bestimmt: Wenn wir andere Menschen langfristig unterstützen, führen und gemeinsam erfolgreich sein wollen, müssen wir uns auch regelmässig unsere eigene Sauerstoffmaske aufsetzen.

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Kontakt

Hast du Fragen? Wir haben die Antworten. Für alles Weitere erreichst du uns per E-Mail unter beratung@alainmeyer.ch

Alain Meyer
M.Sc. Sportpsychologie
MAS Coaching

Bahnhofstrasse 7 2502 Biel
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